Sep 102010
 

Wir sind sprachlos. Vor 6 Tagen sind wir in Rumänien angekommen und wir haben schon so viele Berührungen mit Einheimischen, wie bis anhin auf der ganzen Reise noch nicht. Manchmal haben wir das Gefühl, als wären wir Ausserirdische mit grossen, grünen Köpfen und blinkenden Fühlern und Jeder möchte uns mal anfassen und ansehen. Diese Herzlichkeit berührt uns sehr, wir haben uns schon vom ersten Moment an in das Land und seine liebenswürdigen Menschen verliebt.

Rumänien scheint ein sehr Campingplatz-armes Land zu sein, stattdessen bieten aber in jedem Dorf viele Familien eine Übernachtungsgelegenheit und somit für uns die Gelegenheit mitten drin, statt nur dabei zu sein. Zum Beispiel die Familie Petrovai die uns gleich neben den Hühnern und Truthähnen einquartiert hat, mitten im Garten! Mit einem grossen Stolz führt uns Dan, der Sohn durch den Garten und zeigt uns den Hund, die Hasen, die Zwetschgen- und Apfelbäume, die Bohnen und Kürbisse und den Mais. Er erzählt uns, dass fast jede Familie hier in der Gegend selbst Schnaps (= Tuika) brennt mit eigenem Geheimrezept welches natürlich nie verraten wird. Wir ahnen schon, dass der Tuika noch ein treuer Begleiter durch Rumänien werden wird, oder uns ins Verderben führen wird 😉 „Maramuresch“ ganz im Norden ist eine wunderschöne hügelige Gegend mit vielen kleinen Dörfchen. In jedem Dörfchen steht natürlich eine Kirche und die sieht man meistens schon von weither. Und das Schönste an Allem ist das Leben an sich und die vielen kleinen Details. Grosse Holztore schmücken jeden Eingang, die alten Frauen tragen noch Kopftücher (wie nes Märitfroueli) und das Heu wird mit einem Pferdegespann vom Feld geholt. Überhaupt ersetzen hier die Pferde noch die Landmaschinen, echte, harte und traditionelle Landwirtschaftsbetriebe und das ist doch wirklich wunderschön anzusehen. Es ist so schön einfach mal da zu sitzen und sich vom Treiben in den Strassen verzaubern zu lassen. Wir sind mitten im Märchenland. Und wie es sich für ein Märchenland gehört sind auch die Preise wie im Paradies, einmal Haareschneiden kostet Tinu hier gerade mal 3.65 CHF (Rebi sagt: der Schnitt ist aber auch nicht mehr wert ;-)).

Reiseleiterin Rebi hat für den 3. Tag eine Bahnfahrt eingeplant. Nicht irgendeine Bahnfahrt, sondern die Fahrt mit der letzten Waldbahn überhaupt mit echten Dampfloks, die mit Holz/Feuer angetrieben werden (Fritz, und schon wieder denken wir an dich ;-)). Die Wassertalbahn wurde durch einen Schweizer Verein (www.wassertalbahn.ch) finanziell gerettet, gesichert und nun betrieben. Da überrascht uns auch nicht,warum da altbekannte Waggons hinter der Lok hängen „Wengen-kleine Scheidegg-Jungfraujoch“, einfach schön. Die Fahrt führt uns dampfend ins Wassertal vorbei an schönen Häusern, Felswänden, Weiden, durch dunkle Wälder und über kleine Brücken, und zwischendurch pfeift die Lok ohrenbetäubend wieder den Dampf aus dem Kamin. Da könnte man direkt ein Bahn-Nostalgiker werden (sogenannt Ferrosexuell ;-)). Ein wirklich eindrückliches und schönes Erlebnis. Und weil’s uns hier auf dem Parkplatz des Bahnareals so gefällt, bleiben wir nochmals über Nacht hier. Zum Glück. Weil, was am nächsten Tag auf uns wartet ist unglaublich. Zusammen mit Gerhard (Fotograf aus Deutschland, Freund von Michael Schneeberger, der „head of“ Wassertalbahn) laufen wir los ins Wassertal und biegen kurz darauf rechts in ein Seitental ab. Der Weg führt uns zu einem Kloster wo wir uns kurz umsehen. Ein paar Rumänen versorgen uns mit Selbstgebacktem und fangen an Tische aufzubauen. Wir verstehen es als eine Art „Ernte-Dank-Fest“, eigentlich hiess dieses Rumänische Wort übersetzt aber Begräbnis (ooops). Kurz darauf fahren 2 Geländewagen vor und Titus (auch Freund von Gerhard) und seine Equipe steigt aus. Titus ist ein Dokumentarfilmer und dreht zur Zeit einen Film über eine rumänische Familie die hier im Tal „über den Wolken“ lebt. Und das Begräbnis wird eben auch gefilmt. Das orthodoxe Begräbnis zieht sich dann 2! Stunden hin, der Pfarrer ist eine sehr charakteristische Person (und scheinbar einer der letzten Exorzisten hier im Wassertal) und findet einfach kein Ende. Vielleicht aber zieht sich das auch so hin weil das Filmteam da ist? Nun gut, 2 Stunden später =, tote Frau im Grab und der Leichenschmaus fängt an (irgendwie scheint es so als hätten Alle nur auf das gewartet ;-)). Und wir werden gleich eingeladen und von allen Seiten mit Leckereien beschenkt, „Kräuterwickel gefüllt mit Reis und Hackfleisch“, „Berliner ohne Marmelade“, „Bonbons, „Sonst-so-was-Süsses“ und natürlich immer und immer wieder Tuika! Kurze Zeit später müssen wir dann los, wir fahren mit Titus und seinem Team hoch zu der Familie die im Film porträtiert wird und werden auch dort mit offenen Armen in Empfang genommen, natürlich mit Tuika. Ileana, die Mutter, begrüsst uns als wären wir die verloren gegangenen Kinder die nach Hause kommen, diese Herzlichkeit ist fast schon erdrückend schön! Auch hier müssen noch einige Szenen in den Kasten wie z.B. Bohnenpflücken, danach können wir uns in aller Seelenruhe dem Tuika-Trinken widmen, vor allem Rebi scheint den Schnaps irgendwie zu mögen. Irgendwie beginnt dann alles sehr emotionell zu werden. Ileana ist an Blutkrebs erkrankt und muss nun jede Woche den ganzen Weg ins Tal gehen um sich im Spital behandeln zu lassen. Mit einer grossen Verzweiflung und Tränen erzählt sie uns den Leidensweg. Das ist für Rebi zuviel. Wie hat diese arme Bauern-Familie dieses traurige Schicksal nur verdient? Wenn wir nur irgendwie helfen könnten… In unseren Gedanken werden wir versuchen der Familie Kraft zu schenken.

Nach einem langen, erlebnisreichen und emotionellen Tag finden wir dann spätabends den Weg runter ins Tal wieder… zum Glück weiss Rebi in dem Moment noch nicht WIE schlimm der nächste Morgen sein wird. Nie wieder Tuika! Nach 5 Tagen verlassen wir nun Viseu de Sus schweren Herzens, wir haben hier so viel Schönes erlebt und so viele nette Bekanntschaften geschlossen. Die Tage zusammen mit Gerhard werden uns immer in bester Erinnerung bleiben, wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen. Es sind genau diese Begegnungen, die unserer Reise den Glanz schenken.

Herzlichst euer Rebi und Tinu

  3 Responses to “Buna ziua Romania ”

  1. hey, merci pour ce partage !!! ca donne envie de visiter la Roumanie… non non, pas pour le schnapps mais pour l’ambiance… ! A tout bientot… :))))))))))))) et JOYEUX ANNIVERSAIRE Martin… j’ai un peu d’avance mais on pensera bien a toi le 26 ! Bisous Mymi et Marc

  2. so geil dir 2
    uf die wassertalbahn, hät ig doch mau e studiereis mit öbe 15 ferosexuelle söue begleite u ha när nid wöue, we ig aber gwüsst hät, dass es so guetet schnapps git… wär ig äuä sofort gange! muntsch a euch 2

  3. noroc….*s